Was ist ein Poison Put?

Definition, Erklärung und Beispiele

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Ein Poison Put ist eine Sonderklausel, die es Besitzern von Anleihen ermöglicht, den Rückkauf der Anleihe vor Ende des Ablaufs zu forcieren, sollten bestimmte vorher festgelegte Ereignisse eintreffen.

So ein Ereignis kann zum Beispiel eine Firmenübernahme (hostile takeover) sein, eine Restrukturierung oder auch Dividendenauszahlungen, die über eine vereinbarte Grenze hinausgehen.

Beispiel für eine Poison Put Situation

Nehmen wir an, dass eine fiktive Aktiengesellschaft von einer feindlichen Übernahme betroffen ist und sich mit einer Poison Put Anleihe geschützt hat. Die folgenden Schritte sind passiert:

  1. Herausgabe einer Anleihe von beispielsweise 100 Millionen Euro (=die Firma leiht sich 100 Mio Euro)
  2. Die Anleihe hat ein festgelegtes Rückzahlungsdatum im Jahre 2040, bis dahin kann die Firma also mit den 100 Millionen Euro wirtschaften
  3. Die Anleihe ist mit einer Poison Put Klausel versehen, welche das Datum der Rückzahlung auf den Zeitpunkt der Übernahme vorverlegt.
  4. Die Firma, welche unsere fiktive AG übernehmen will, muss also neben dem Kapital für die Übernahme der Aktien noch die 100 Millionen für die Poison Put Anleihe bereit halten.

Bild einer Poison Put Anleihe

Eine fiktive Poison Put Anleihe mit einer Klausel zur sofortigen Zurückzahlung bei feindlicher Übernahme.


Poison Puts sind dazu da, das benötigte Kapital, was für eine feindliche Übernahme nötig ist, für den „Feind“ zu erhöhen.

Probleme und Nachteile von Poison Put Klauseln

Warum wird also grundsätzlich nicht jede Unternehmensanleihe mit Poison Put Klauseln versehen?

Vorstände einer Aktiengesellschaft müssen im Interesse der Aktionäre handeln, und eine Poison Put Klausel verringert die Chance einer Übernahme der AG. Übernahmen sind jedoch eine gute Sache für die Aktionäre, da sie Ihre Aktien kurzfristig teurer loswerden.

Der Leiter einer AG muss also abwägen, ob eine feindliche Übernahme wirklich ein negatives Ereignis für die Aktionäre wäre.

Anleihen / Bonds Definition

Eine Anleihe (engl.: Bond) ist eine festverzinsliche Schuldverschreibung, die normalerweise länger als ein Jahr läuft. Unternehmen bieten solche Anleihen oft auch Privatanlegern an, zum Beispiel sieht man solche Angebote im Moment recht oft im Windenergiesektor.

Bei einer Insolvenz werden Anleihebesitzer gegenüber Aktionären bevorzugt behandelt und haben oft nicht den Totalverlust zu beklagen.

Staatsanleihen als sichere Anlageform

Anleihen werden auch von Staaten herausgegeben um Kapital zu für den Staatshaushalt zu sichern. Diese Schuldverschreibungen nennt man Staatsanleihen.


Staatsanleihen Grafik

Staatsanleihen werden vom Staat ausgegeben, in Deutschland nennt man sie auch Bundesanleihen.


In Deutschland nennt man diese Bonds auch Bundesanleihen, nach dem Namen der Bundesrepublik. Diese Anlageform stellt wohl so ziemlich die höchste Sicherheit gleich nach dem Sparbuch dar, denn um mit diesen
Anleihen einen Totalverlust zu erleiden, müsste schon das Land Pleite gehen.

Sie sind allerdings auch nicht sehr lukrativ, so liegt die Verzinsung oft sogar unter dem Inflationswert. Es gab sogar schon Fälle von null Prozent Zinsen, wenn die Anleger einfach froh waren, ihr Geld
sicher irgendwo parken zu können.

Inflationsindexierte Anleihen als Schutz vor Inflation

Wegen der Inflationsgefahr, gibt es mittlerweile Anleihen, deren Verzinsung davon abhängt, wie hoch die Inflationsrate ist. Diese Bonds nennt man inflationsindexierte Anleihen oder auch Inflationsanleihe.

Hostile Takeover – Feindliche Übernahme

Ein hostile takeover (englisch für Feindliche Übernahme) ist eine Firmenübernahme, die ohne Einverständnis vom Vorstand des Zielunternehmens von statten geht. Dabei werden normalerweise die Aktien des Ziels über die Börse aufgekauft, bis ein mehrheitlicher Anteil besteht. Manchmal wird auch ein öffentliches Angebot an alle Aktionäre gemacht.

Merger / Fusion

Als Merger bezeichnet man eine einvernehmliche Fusion zweier Unternehmen. Dieser Zusammenschluss erfolgt in der Regel um eine höhere Marktmacht oder Kostenvorteile zu erreichen. Eine solche Verschmelzung erfolgt unter gleichberechtigten Partnern.

Wenn dagegen eine riesige Aktiengesellschaft eine Kleinere übernimmt, auch mit deren Einverständnis, spricht man eher von einer Akquisition. Es gibt Investmentbanken, die darauf spezialisiert sind, solche Fusionen zu vermitteln, deren Geschäftsfeld wird Mergers & Aquisitions (M&A) genannt.

Ablauf für die Aktionäre einer fusionierenden Aktiengesellschaft

Bei einem Merger werden die Aktien des übernommenen Unternehmens von der übernehmenden AG aufgekauft. Für die Aktionäre der aufgekauften Aktiengesellschaft ähnelt dies einem Verkauf ihrer Aktien, allerdings bekommen sie statt Bargeld Aktien der aufkaufenden AG im Tausch. Diese können natürlich sofort wieder verkauft werden.

Außerdem werden diese Aktien meist in Form einer Kapitalerhöhung neu ausgegeben. Aufgrund dieser beiden Ursachen, ist der Effekt einer Fusion meist erst ein sinkender Aktienkurs.


geschrieben von Armin Moghaddam, aktualisiert am 04.08.2018