Alles über den Margin im Aktiendepot

Erklärungen und Beispiele von Maintenance, Margin Call in 2019

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Was bedeutet der Margin im Depot?

Hier finden Sie alles, was Sie rund um den Margin im Tradingkonto wissen müssen:


Margin Erklärung und Definition

Margin bedeutet wortwörtlich Sicherheitsleistung. Er beschreibt im Börsenhandel den Anteil des nötigen Kapitals, der auf dem Aktiendepot hinterlegt sein muss, um eine bestimmte Anzahl von Finanzprodukten (wie beispielsweise Aktien) zu kaufen.

Bei den meisten Brokern liegt der Margin bei 100%, das heißt man muss den gesamten Kaufpreis als Geld auf dem Aktienkonto liegen haben. Wenn ein Broker aber Margin anbietet, dann braucht man zum Beispiel nur 50% des Geldes, der Rest wird automatisch vom Broker ausgeliehen.


Eine alte Blackstar Aktie

Um Aktien auf Margin zu kaufen, braucht man ein Sicherheitsleistung, einen Initial Margin.
(Bild: Eine alte Aktie der Black Star Line, from The New York Public Library, public domain.)


So kann man damit doppelt so viele Aktien kaufen und macht entsprechend doppelt so viel Gewinn oder Verlust. Dies nennt man auch Hebel, im Falle von 50% Margin wäre das ein 1:2 Hebel.


Margin in Deutschland

Margin ist ein amerikanisches Phänomen, er wird in Deutschland nur von Brokern angeboten, welche die Trader Workstation nutzen. Sie wird sowohl auf deutsch als auch auf Englisch angeboten. Normale deutsche Onlinebroker bieten ein Marginkonto dagegen nur bei Extrakonten wie für den CFD- oder Forex-Handel an.


Initial Margin

Der Initial Margin bezeichnet die Sicherheitsleistung, welche auf einem Konto vorhanden sein muss, um eine neue Handelsposition zu eröffnen. Er fungiert als Limit für die Eröffnung neuer Handelspositionen.


Kontoansicht der TWS

Die Kontoansicht der Demoversion der Trader Workstation.
In der Mitte sieht man die Kaufkraft mit einem Hebel von 1:4. Darüber die Margin-Anforderungen.


Initial bedeutet so viele wie Anfang oder Start, man könnte den Initial Margin auch als Anfangsmargin bezeichnen.


Initial Margin Berechnung

Den Initial Margin kann man sehr leicht ausrechnen, er wird einem aber auch im Konto angezeigt.

Beispiel:

Sie wollen Aktien für 10000$ kaufen.

Das Initial Margin Requirement (wird auch angezeigt) beträgt 60%.

Nun rechnet man einfach 60% von 10000$ aus. Der Initial Margin ist als 6000$.

Vor einem Trade muss diese Summe auf dem Konto verfügbar sein. Sie ist abhängig vom Hebel des jeweiligen Finanzproduktes, mit welchem gehandelt werden soll.


Maintenance Margin

Der Maintenance Margin beschreibt die nötige Deckungssumme eines Kontos, welche vorhanden sein muss, um die aktuellen Positionen zu halten.
Depots mit Margin haben immer einen Maintenance Margin, der den Wert des Depots beschreibt, unter dem der Broker nicht mehr gewillt ist, Geld zu leihen.

Dieser kann unterschritten werden, wenn hohe Verluste anfallen. Durch Verluste reduziert sich der Wert des Depotvermögens, aber nicht der Wert des Geldes, welches man ausgeliehen hat. Dadurch sinkt der Wert des Depots unter den Maintenance Margin.

Die Broker machen dann einen automatischen Margin Call, bei dem so lange Positionen liquidiert werden, bis der Maintenance Margin wieder überschritten ist.


Margin Call

Ein Margin Call ist die letzte Warnung vor der Liquidierung diverser Trading-Positionen, weil der Maintenance Margin unterschritten wurde oder kurz davor ist.


Ruine als Symbol

Margin Calls haben schon so manche Trader-Karriere in den Ruin geführt.
(Bild: From The New York Public Library, public domain.)



Variation Margin – Nachschussmarge

Werden Margin-Positionen über Nacht gehalten, kann ein sogenannter Variation Margin, auch als Nachschussmarge bezeichnet, fällig werden.

Dies ist die zusätzliche Sicherheitsleistung, welche nötig ist, um weiter die verlustreiche Position decken zu können.


Was bedeutet Margin Call bei Aktien?

Call bedeutet Telefonanruf und stammt aus der Zeit, als die Broker tatsächlich noch ihre Klienten anrufen mussten, um sie über die Verletzung der Margin Anforderungen zu informieren.

Der Kunde hatte dann noch die Gelegenheit, etwas Geld nachzuschießen oder die Positionen selber zu liquidieren.


Margin Violation Beispiele

Online Broker haben automatisierte Margin-Verwaltungen. Eine sogenannte Margin Violation (Verletzung) hat dann eine automatische Liquidierung von so vielen Positionen (oder Teilen davon) zur Folge, dass der Maintenance Margin wieder positiv ist.

Diese Liquidierungen erfolgen per Limit-loser Market Order, was bei wenig liquiden Werten zu sehr schlechten Preisen führen kann. Deswegen sollte man automatischen Liquidierungen unbedingt zuvorkommen und selber die nötigen Trades beenden.

Beispiel:

Broker, welche die Trader Workstation nutzen, regeln die Margin Violations auf zwei Arten.

Einmal gibt es die ganz normale Verletzung der Maintenance Margin Anforderung (MMR=Maintenance Margin Requirement):

Wenn der Equity with Loan Value (ELV), also der Wert der aktuellen Positionen abzüglich des geliehenen Geldes, unter den MMR fällt, dann wird liquidiert.

Die zweite Möglichkeit ist eine „Reg-T Violation„, hierbei muss der SMA Wert (Special Memorandum Account) in der Account Bilanz zwischen 15:50 und 17:20 Uhr US-Zeit (EST-Eastern standard time) nicht negativ sein, sonst wird liquidiert.

Klingt kompliziert, aber in der Praxis schaut man nur kurz auf die entsprechenden Werte, die automatisch im Depot angezeigt werden. Und dies tut man ja auch nur, wenn man das Konto stark überzogen hat.

Wozu überhaupt den ganzen Aufwand um den Margin? Die Antwort ist der Hebel:


Die Hebelwirkung: Leverage

Leverage beschreibt die Hebelwirkung, welche erzielt wird, dadurch dass man mehr Kapital für den Handel zur Verfügung hat. Ein Hebel von 1:5 zum Beispiel bedeutet, dass man 5 mal so viel Kapital einsetzen kann, wie man eigentlich im Depot hinterlegt hat.


Margin Fehlermeldung

Die TWS errechnet automatisch den verfügbaren Hebel.
In diesem Fall reicht der Initial Margin nicht aus, um die Position zu eröffnen.


Das Geld dafür wird vom Broker ausgeliehen. Es fallen auch Zinsen an, welche beim kurzfristigen Trading und vor allem beim Daytrading vernachlässigbar sind. Die Zinsen richten sich dabei nach dem Leitzins der Zentralbank, plus einem geringen Aufschlag.

Im Vergleich zu Dispo- oder Kreditkarten-Zinsen sind sie recht niedrig.

Die Hebelwirkung ermöglicht hohe Gewinne, aber auch hohe Verluste, da man durch den erhöhten Kapitaleinsatz selbst bei konservativen Werten hohe Ergebnisse erzielen kann.

Beispiel:

Sie haben 5000 Euro im Depot, aber kaufen auf Margin mit Hebel 1:5 Aktien für 25,000 Euro. Nun steigen diese Aktien 10%, der Gewinn ist folglich 2500 Euro. (10% von 25,000).

Das heißt, Sie haben aus Ihren 5000 Euro nun 7500 gemacht. Das sind effektiv plus 50%, dank Leverage.

Aber Vorsicht: Bei einem Verlust würden aus diesen 10% natürlich auch 50% Minus, aber vorher käme es schon zu Margin Calls und Liquidierungen.


Margin Trading – Margin Handel

Margin Handel ist also der Handel mit Aktien oder anderen Finanzinstrumenten mit Hilfe eines Kreditrahmens, welcher strengen Regeln ausgesetzt ist.

Dieser Kreditrahmen, oder Margin, ermöglicht das Margin Trading mit einer größeren Summe als man sie normalerweise zur Verfügung hätte. Es ist selbsterklärend, dass dadurch höhere Gewinne, aber auch höhere Verluste entstehen können.


Vor- und Nachteile beim Margin Trading

Die Vorteile des Marginhandels sind:

Die Hebelwirkung ist klar, haben wir besprochen. Das geringere Startkapital ergibt sich aus der Hebelwirkung.

Mehr Flexibilität entsteht dadurch, dass man durch den Margin eine neue Position eingehen kann, schon bevor man die alte auflöst. Man muss also nicht immer erst Aktien verkaufen, um neue kaufen zu können, da man die neue Position zumindest kurzzeitig auf Margin eröffnen kann.

Die Nachteile des Margin Trading:

Das hohe Risiko ergibt sich aus der Hebelwirkung. Die Zinsausgaben fallen nur bei langfristigen Anlagen an, da sie am Tagesende berechnet werden.

Liquidation entsteht bei sehr hohen Verlusten durch die Margin Call Regelungen, das Thema hatte ich ja bereits oben ausgeführt.


Marginkonto beim CFD-Handel

Deutsche Broker bieten mittlerweile auch CFD-Handelskonten an. Diese ermöglichen das Margin Trading mit CFDs auch für Privatkunden.


CFD Erklärung:

CFD bedeutet „Contract for Difference“ (auf deutsch: Differenzkontrakt). Bei CFDs werden nicht mehr die eigentlichen Produkte (wie Aktien oder Rohstoffe) gehandelt, sondern nur noch diese Differenzkontrakte mit dem Broker. Die Kurse orientieren sich aber trotzdem an den Aktien auf welche sich die CFDs beziehen.

Ein CFD auf die Telekom-Aktie wird sich also am Preis der Telekom Aktie orientieren. Ebenso orientiert sich der Preis an der Bitcoin, wenn man Bitcoin-CFDs handelt.

Auch auf andere Crypto-Währungen der Blockchain, welche an Kryptowährungsbörsen wie Binance und Bitfinex gehandelt werden, gibt es schon CFDs.

Warum also CFDs handeln?

Eben wegen der Hebelwirkung, die durch das Margin-Konto geboten wird. CFD-Handel ohne Margin würde also wenig Sinn machen.

Außerdem werden normalerweise keine herkömmlichen Ordergebühren erhoben, sondern der Kurs wird ein wenig vom Broker angepasst, so dass er mit jedem Handel etwas Profit macht. Diese Anpassung nennt man „Spreads“.

Selbst Broker, welche ansonsten keinen Margin bieten, machen bei CFDs eine Ausnahme. Comdirect und Flatex beispielsweise bieten für den CFD-Handel Konten an, welche Hebelwirkungen von bis zu 1 zu 20 auf diverse Produkte ermöglichen.


Fazit: Margin Trading

Ich halte den Margin für eine nötige Grundlage für Daytrader, da sie so flexibler sind und mehr Kapital zur Verfügung haben. Aber auch in langfristigen Depots kann Margin Sinn machen, wenn zum Beispiel die Dividenden höher sind als die Marginzinsen.

Generell hat die Nicht-Nutzung keinen Nachteil, deswegen schadet es auch nicht, ein Margin-Konto zu besitzen.


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Quellenangaben und Verweise: