Zyklische und antizyklische Aktien an der Börse

Beispiele und Definitionen für zyklische und antizyklische Aktien

Was sind zyklische und antizyklische Aktien?

Erfahren Sie hier anhand von einfachen Erklärungen und Beispielen worum es sich bei zyklischen Aktien handelt und wie sie von der Wirtschaftslage beeinflusst werden.

Zyklische Aktien Definition

Es gibt an der Börse für die Anleger zyklische Aktien und antizyklische Aktien. Ein zyklisches Unternehmen ist ein Unternehmen in einer stark konjunkturabhängigen Branche. Dies sind vor allem Branchen in denen teure Luxusgüter produziert und verkauft werden. Luxusgüter sind Produkte, die in guten Zeiten gekauft werden, aber nicht unbedingt notwendig sind. Beispiele für zyklische Konsumgüter sind Autos, Häuser, Schmuck, Reisen und Boote.


Daimler AG Aktienchart

Die Daimler AG als zyklische Aktie der Automobilbranche in Relation zum S&P 500. (Der Chart wurde mit der Tradingsoftware TWS 4.0 von Captrader erstellt.)


Die zyklischen Branchen stehen im Gegensatz zu den defensiven Branchen, welche notwendige alltägliche Güter herstellen. Güter, welche auf jeden Fall gekauft werden, da die Menschen sie zum Leben benötigen. Hierbei handelt es sich um Lebensmittel, Nahrung, sogar die bloße Wasserversorgung zählt dazu.

 


Wie wirkt sich die Wirtschaftslage auf diese zyklischen Branchen aus?

In guten wirtschaftlichen Zeiten profitieren zyklische Branchen stark von der Kauflust der Konsumenten. Die Aktien dieser Firmen werden stärker steigen als die in den nicht zyklischen Branchen.

In einem Abschwung der Wirtschaftslage oder gar einer Rezession jedoch werden diese Aktien auch stärker fallen, da sich viele Konsumenten teure Anschaffungen nicht mehr leisten können. Die Umsätze der zyklischen Unternehmen werden stark fallen und die Aktienkurse entsprechend heftig sinken.

Wenn die Konjunktur sich verbessert oder boomt oder die Wirtschaft wächst, dann wachsen auch die Aktien aus den zyklischen Branchen. Dazu gehören vor allem der Maschinenbau und das Bauwesen, Automobilaktien und alle Aktien, in denen hochpreisige Produkte hergestellt werden. Auch die Konsumaktien wie die Kaufhäuser gehören dazu, denn wenn die Wirtschaft brummt und die Leute Geld haben, dann wird auch viel Geld ausgegeben.

 

Höhere Bewertung von zyklischen Aktien

Da zyklischen Aktien stärker von wirtschaftlichen Aufschwüngen profitieren, werden sie in der Regel höher bewertet. Eine alte Börsenregel besagt, dass für Zykliker ein Kursaufschlag von 60 bis 80 Prozent gegenüber Nicht-Zyklikern normal ist.

Für die heftigeren Kursstürze während Rezessionen gibt es allerdings keine Faustregeln außer „Rette sich, wer kann!“, denn auch Totalverluste durch Insolvenzen sind hier möglich und nicht selten.

 

Beispiele für zyklische Aktien / Branchen

Autohersteller sind das klassische Beispiel für eine zyklische Branche. Ein teures Auto stellt für die meisten Haushalte eine große Investition dar und wird eher in guten Zeiten gekauft. Mitten in einer Wirtschaftskrise wird so eine Anschaffung verschoben oder stattdessen ein billiges gebrauchtes Auto gekauft.

Das gleiche gilt für andere teure Anschaffungen wie Immobilien oder gar Luxusyachten. Aber auch normale Dinge wie teurere Kleidung und Schmuck sind Waren, die in schlechten Zeiten weniger gekauft werden.

Erfahren Sie auch wie Banken und Versicherungen dabei eine Rolle spielen.

 

Banken und Versicherungen als zyklische Aktien

Obwohl Banken und Versicherungen keine klassischen Konsumgüter produzieren, können auch sie von zyklischer Natur sein. In guten wirtschaftlichen Zeiten kann eine Bank mehr Geld verleihen und mehr Geld durch Zinsen und Investments verdienen. Außerdem wird die Anzahl der Ausfälle geringer sein, die Kunden werden eher fähig sein, die Kredite zurückzuzahlen. Dies ist auch der Grund, warum Versicherungen zu den zyklischen Branchen zählen. Sie werden weniger ausgefallene Kredite decken müssen.


Hannover Rueck Aktienchart

Die Hannover Rück Aktie im Aktienchart als zyklisches Beispiel der Versicherungsbranche.


Banken verdienen an Verbrauchern und an der Industrie. Wenn also die Wirtschaft in Schwung kommt, dann verdienen Banken und Versicherungen mehr. Wenn Sie also denken: „Ich will am Aufschwung der Krisenländer 2013 Irland, Spanien, Griechenland oder Italien besonders viel verdienen.“, dann kaufen Sie Aktien aus diesen Ländern im Bereich Finanzen.

Prominente Beispiele für Banken und Versicherungen sind die Citibank, JPMorgan, Allianz und Hannover Rück.

 


Bauträger und Immobilienfonds (REITs)

Wenn der Wirtschaftszyklus nach oben zeigt, dann steigt auch die Nachfrage nach Häusern und Eigentumswohnungen. Dies bedeutet mehr Profit für die REITs (Real Estate Investment Trusts), also Immobiliengesellschaften. Sie können mehr Geld durch die Finanzierung der Nachfrage verdienen und die Immobilien, welche sie besitzen, werden mehr wert.

Bekannte Beispiele für REITs sind die Hamborner REIT-AG und der amerikanische Hospitality Properties Trust.


Hamborner REIT AG Aktienchart

Der Aktienchart der Hamborner REIT AG im Vergleich zum Gesamtmarkt (S&P 500) zeigt ihr zyklisches Verhalten auf.


Maschinenbau und Baugewerbe Aktien

Auch der Maschinenbau und das Baugewerbe zählen zu den zyklischen Branchen. Eine höhere Nachfrage nach Immobilien beflügelt den Neubau von Häusern und ähnlichem. Folglich werden auch mehr Maschinen benötigt um diese Immobilien zu erbauen.

HeidelbergCement ist ein perfektes Beispiel für eine Baugewerbe Aktie, da die Menge des benötigten Zements direkt von den Anzahl der Neubauten abhängt. Deutz, Jungheinrich und Heidelberger Druckmaschinen sind Beispiele für das Maschinenbau Gewerbe.


Aktienchart von Jungheinrich

Der Aktienchart von Jungheinrich relativ zum S&P Indexfonds "SPY" zeigt die zyklische Natur des Baugewerbes.


Die Chemie Branche als Beispiel für zyklische Aktien

Auch die Chemiebranche zählt zu den zyklischen Aktien, auch wenn die Effekte dort nicht so extrem sind, wie beispielsweise bei den Automobilherstellern. Chemikalien werden heutzutage für fast alles benötigt, und wenn die Wirtschaft brummt, werden mehr davon benötigt. Automobile sind ein wichtiger Grund für die zyklischen Reaktionen der Chemiebranche, denn die Hersteller benötigen die Farben und Lacke der Chemiefabriken. Sie fungiert also als Zulieferindustrie der zyklischen Unternehmen wie etwa Volkswagen.

Zyklische Beispiele für die Chemiebranche sind BASF und Wacker Chemie.


Aktienchart von BASF

Die zyklische Chemieaktie BASF im Aktienchart.


Darauf sollte man als Investor zyklischer Aktien achten:

Investoren in den zyklischen Branchen sollten sich bewusst sein, wieso die jeweilige Branche vom Aufschwung profitieren wird. Auch sollte die jeweilige Aktie genau analysiert werden, denn nicht jede Aktie einer Branche muss zwangsläufig zyklisch reagieren. Beispiel: Nicht jede Aktiengesellschaft in der Chemiebranche beliefert zyklische Unternehmen.

Man muss sich also im Klaren sein, ob die jeweilige Aktie als zyklisches Investment geeignet ist. Eine Methode ist, sich den Aktienchart der letzten 20 Jahre anzuschauen und zu sehen wie die Aktie in den vergangenen Wirtschaftsabschwüngen 2002 und 2008 und in der Zeit danach reagiert hat. Ist sie stark gefallen und hat sie sich im Aufschwung auch stark erholt? Dann handelt es sich wahrscheinlich um einen zyklischen Aktienwert. Doch diese technische Analyse sollte eine Fundamentalanalyse nicht ersetzen. Sie kann lediglich als erster Anhaltspunkt dienen.

 

Zu spät für zyklische Aktien?

In sehr lang anhaltenden Boomphasen wie von 2010 bis 2017 an den Aktienmärkten kann es sein, dass die zyklischen Aktien schon stark überbewertet sind. Dann kann es ratsam sein, trotz des Aufschwungs lieber Nicht-Zykliker zu bevorzugen, da manchmal so etwas wie ein Nachholeffekt einsetzt. In diesem Fall werden die nicht-zyklischen Aktien besser performen als die zyklischen. Bei diesem Effekt geht es aber nicht um antizyklische Aktien, worum es sich dabei handelt, erklären wir jetzt:

 

Antizyklische Aktien und Branchen

Antizyklische Aktien oder auch „Defensive“ Aktien, sind Wertpapiere, die sich auch in schlechten Konjunkturphasen eher stabil verhalten. Der Name „antizyklisch“ suggeriert zwar ein gegenteiliges Verhalten zu den Zykliker, dies ist jedoch nicht der Fall. Eine antizyklische Branche ist eine Branche, deren Geschäft jederzeit ähnlich stark nachgefragt wird. Dabei handelt es sich vor allem um Konsumgüter des Alltags, Energieversorger und auch Telekommunikation. Diese Güter und Dienste werden immer benötigt, auch wenn die Konsumenten gerade nicht so gut verdienen.

Beispiele für antizyklische Aktien

Beispiele für antizyklische Aktien sind Nestle, Metro AG und die Deutsche Telekom (siehe Aktienchart).


Aktienchart der deutschen Telekom

Die geringen Schwankungen der antizyklischen Telekomaktie zeigen, dass diese defensive Branche kaum von der Wirtschaftslage beeinflusst wird.


Mit dem gegenteiligen Effekt ist zum Beispiel der Rohstoffsektor Branche gemeint. Wenn die Wirtschaft in eine Rezession steuert, dann steigen fast immer die Rohstoffpreise, daher der Term antizyklisch. Das liegt daran, dass die Zinsen hoch sind und damit die Wirtschaft abgewürgt wird. Aber die hohen Zinsen führen zu hohen Preisen und so steigen meist die Werte von Ölaktien oder Minenanteilen.